Mount Pico
Der höchste Berg Portugals und ein Stratovulkan, der sich direkt aus dem Atlantik erhebt. Berühmt für seinen steilen Aufstieg, UNESCO-Weinberge und endlose Lavafelder.
Mount Pico (Montanha do Pico) ist nicht nur ein Berg; er ist der eigentliche Grund für die Existenz der Insel. Aus dem mitten im Atlantischen Ozean auf 2.351 Meter ansteigend, ist er der höchste Punkt Portugals und der dritthöchste Vulkan im Atlantik (nach dem Teide auf Teneriffa und dem Fogo auf den Kapverden).
Er dominiert die Landschaft der Insel Pico auf den Azoren und ist ein geologisches Meisterwerk. Er ist so massiv, dass seine Basis tatsächlich unter Wasser liegt, was seine Gesamthöhe vom Meeresboden auf fast 6.000 Meter bringt. Für Wanderer, Naturliebhaber und Weinliebhaber bietet Mount Pico eine einzigartige Kombination aus Hochgebirgsabenteuer und kulturellem Erbe.
Der atlantische Riese
Der Vulkan ist ein klassischer Stratovulkan mit einer steilen, konischen Form. Auf seinem Gipfel liegt ein runder Krater von etwa 500 Metern Durchmesser und 30 Metern Tiefe. Im Inneren dieses Kraters erhebt sich Piquinho (Kleiner Gipfel), ein kleiner Vulkankegel, der den wahren Gipfel bildet. Von diesem scharfen Punkt aus können Sie an einem klaren Tag alle zentralen Inseln der Azoren (Faial, São Jorge, Terceira und Graciosa) sehen.
Vulkanische Aktivität
Obwohl er in letzter Zeit ruhig war, ist Mount Pico ein aktiver Vulkan. Seine letzten großen Ausbrüche ereigneten sich in 1718 und 1720.
- Ausbruch von 1718: Dies war ein bedeutender Flankenausbruch, der Lavaströme sowohl die Nord- als auch die Südküste hinunter schickte. Die Lavaströme aus diesem Ausbruch (die mistérios) sind noch heute als zerklüftete, schwarze Narben in der grünen Landschaft sichtbar.
- Fumarolen: Auf dem Gipfel des Piquinho können Sie immer noch die Hitze der Erde spüren. Fumarolen stoßen heißen Dampf und schwefelhaltige Gase aus, eine ständige Erinnerung an die Magmakammer, die darunter schläft. Es ist eine surreale Erfahrung, sich die Hände über einem Dampfschlot zu wärmen, während man im kalten Atlantikwind auf 2.300 Metern zittert.
Den Berg besteigen
Die Besteigung des Mount Pico ist das wichtigste Wandererlebnis auf den Azoren, darf aber nicht unterschätzt werden. Es ist ein anstrengender, steiler Aufstieg, der eine gute körperliche Verfassung erfordert.
- Der Weg: Der Weg beginnt am Casa da Montanha (Berghaus) auf 1.200 Metern. Von dort aus klettern Sie 1.151 Höhenmeter über eine Distanz von nur etwa 3,5 km. Das bedeutet, dass die Steigung unerbittlich ist.
- Markierungen: Der Weg ist durch 47 nummerierte Holzpfosten markiert. Diese Pfosten sind psychologische Meilensteine für Kletterer – das Erreichen der Nummer 47 bedeutet, dass Sie den Kraterrand erreicht haben.
- Piquinho: Das letzte Klettern auf den 70 Meter hohen Piquinho-Kegel ist der schwierigste Teil. Es erfordert den Einsatz der Hände, um über loses Gestein und steile Lavaplatten zu klettern.
- Vorschriften: Um die empfindliche Umwelt zu schützen und die Sicherheit zu gewährleisten, ist der Zugang streng geregelt.
- Genehmigungen: Sie müssen im Casa da Montanha einchecken. Sie erhalten einen GPS-Tracker, damit die Behörden Sie im Notfall lokalisieren können.
- Quoten: Es gibt eine Begrenzung für die Anzahl der Personen, die gleichzeitig auf dem Berg sein dürfen (normalerweise etwa 160) und eine tägliche Gesamtbegrenzung. Im Sommer ist eine Buchung im Voraus unerlässlich.
- Wetter: Das Wetter auf den Azoren ändert sich augenblicklich. Sie können im Sonnenschein starten und auf halbem Weg in einem eisigen Regensturm stecken. Richtige Ausrüstung (Schichten, wasserdichte Kleidung, feste Stiefel) ist nicht verhandelbar.
Die Weinberge des Feuers (UNESCO)
Während der Gipfel den Himmel dominiert, birgt die Basis des Vulkans eine andere Art von Schatz. Die Landschaft der Weinkultur der Insel Pico wurde 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.
Die Steine interpretieren
Seit dem 15. Jahrhundert kultivieren die Menschen auf Pico Weinreben in einer Umgebung, die für die Landwirtschaft unmöglich erscheint: fester schwarzer Lavastein.
- Currais: Anstatt an Spalieren zu wachsen, verlaufen die Reben am Boden entlang, geschützt vor den heftigen, salzigen Atlantikwinden durch ein Labyrinth aus Tausenden kleiner, rechteckiger Steinmauern, den sogenannten currais.
- Der “Lajido”: Die Reben werden in Risse im Basaltgrundgestein (dem lajido) gepflanzt. Der schwarze Stein absorbiert tagsüber die Sonnenwärme und strahlt sie nachts zurück, wodurch ein einzigartiges Mikroklima entsteht, das es den Trauben ermöglicht, schneller und süßer zu reifen, als sie es sonst tun würden.
- Der Wein: Das Ergebnis ist ein einzigartiger, mineralreicher Weißwein (Verdelho), der einst an die königlichen Höfe Europas und sogar an die russischen Zaren exportiert wurde. Heute können Sie das Museu do Vinho in Madalena besuchen oder die Weinberge in der Nähe von Criação Velha besichtigen, um diesen “Vulkanwein” zu probieren.
In die Erde: Gruta das Torres
Pico ist nicht nur hoch; er ist tief. Die Insel ist von Lavaröhren durchzogen. Die berühmteste ist Gruta das Torres, in der Nähe der Stadt Madalena.
- Größe: Mit über 5 km Länge ist sie die längste Lavaröhre in Portugal und eine der längsten in Europa.
- Die Erfahrung: Im Gegensatz zu vielen touristischen Höhlen, die wie Kathedralen beleuchtet sind, wird Gruta das Torres in ihrem natürlichen Zustand belassen. Es gibt keine künstlichen Lichter oder gepflasterten Gehwege. Sie erkunden sie mit Helm und Taschenlampe und gehen auf dem rauen Lavaboden (Aa- und Pahoehoe-Typen).
- Merkmale: Im Inneren können Sie Lava-Stalaktiten, Stalagmiten und “Lavabänke” sehen, die entstanden, als der Pegel des Lavastroms, der durch die Röhre floss, sank.
Artenvielfalt
Trotz des felsigen Geländes wirkt der Berg als “Nebelwald”, der Feuchtigkeit aus den vorbeiziehenden Wolken einfängt.
- Flora: Beim Aufstieg ändert sich die Vegetationszone. Sie beginnen auf Weiden und in invasiven Klebsamen-Wäldern, bewegen sich durch eine Zone aus endemischer Heide (Erica azorica) und Wacholder und erreichen schließlich die alpine Zone, in der nur Moose und Flechten dem Wind und der Kälte standhalten können.
- Endemische Arten: Der Berg beherbergt mehrere Pflanzen, die nirgendwo sonst auf der Erde zu finden sind und speziell an dieses vulkanische Mikroklima angepasst sind.
Praktische Informationen
- Anreise: Sie können von Lissabon aus zum Flughafen Pico (PIX) fliegen (tägliche Flüge) oder eine Fähre von den Nachbarinseln Faial (30 Minuten) oder São Jorge nehmen.
- Beste Reisezeit: Juni bis September bietet das stabilste Wetter, aber auch den größten Andrang. Mai und Oktober können schön sein, sind aber riskanter für Regen.
- Nachtwanderungen: Eine beliebte Option ist es, am Nachmittag aufzusteigen, im Krater zu campen (Genehmigung erforderlich) und den Sonnenaufgang vom Piquinho aus zu beobachten. Zu sehen, wie sich der Schatten des Berges über den Ozean bis zum Horizont erstreckt, ist eine spirituelle Erfahrung.
- Städte: Madalena ist die Hauptstadt und der Fährhafen und bietet den besten Blick auf Faial. Lajes do Pico an der Südküste war das Zentrum der historischen Walfangindustrie der Insel (jetzt durch Walbeobachtung ersetzt).
Fazit
Mount Pico ist ein Zeugnis der Widerstandsfähigkeit. Es ist ein Ort, an dem sich Menschen angepasst haben, um an der Flanke eines Riesen zu leben und unfruchtbare Lava in erstklassigen Wein zu verwandeln. Es ist ein Ort, an dem Sie die Wolken berühren und den Puls der Erde spüren können. Egal, ob Sie den Gipfel des Piquinho erobern oder einfach nur Verdelho im Labyrinth der schwarzen Steinmauern schlürfen, die Präsenz des Berges ist unumgänglich. Er ist das majestätische, dunkle Herz der Azoren.