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Hallasan

Der Hallasan erhebt sich aus der Mitte der Insel Jeju und ist ein Schildvulkan der Legenden, Heimat von Geistern, vertikalen Ökosystemen und dem unberührten Weißen Hirschsee.

Standort Jeju-do, Südkorea
Höhe 1947 m
Typ Schildvulkan
Letzter Ausbruch 1007 (ca.)

Hallasan: Der Galaxien-Berg

Der Hallasan, der stolz 1.947 Meter aufragt, ist der höchste Berg Südkoreas. Er ist ein massiver Schildvulkan, der den Großteil der Insel Jeju bildet, einer Provinz, die oft als das “Hawaii Koreas” bezeichnet wird. Sein Name, Halla, bedeutet grob übersetzt “die Milchstraße ziehen”, was bedeutet, dass der Berg hoch genug ist, um die Sterne zu berühren.

Im Gegensatz zu den steilen, kegelförmigen Stratovulkanen des Festlandes oder Japans hat der Hallasan einen sanften Hang, charakteristisch für Schildvulkane, die durch flüssige basaltische Lavaströme gebildet wurden. Sein Gipfel ist jedoch schroff und übt eine dominierende Präsenz über die Insel aus. Er ist ein UNESCO-Weltnaturerbe, ein Biosphärenreservat und ein Global Geopark, anerkannt für seine einzigartigen geologischen Merkmale und seine immense Biodiversität.

Geologische Ursprünge: Die Geburt von Jeju

Der Hallasan ist nicht nur ein Berg auf einer Insel; in vielerlei Hinsicht ist er die Insel. Jeju wurde durch vulkanische Aktivität geformt, die vor etwa 2 Millionen Jahren begann.

  • Vulkanische Phasen: Die Insel entstand in Etappen. Zuerst bildete sich ein Lavaplateau unter dem Meer. Dann erhob sich der Hallasan während nachfolgender Eruptionen aus der Mitte. Die letzte Phase der vulkanischen Aktivität schuf den Baengnokdam-Krater auf dem Gipfel und verstreute über 360 parasitäre Kegel, lokal als Oreum bekannt, über die Flanken der Insel.
  • Baengnokdam: Der Kratersee auf dem Gipfel hat einen Durchmesser von etwa 400 Metern. Sein Name bedeutet “Weißer Hirschsee”, abgeleitet von einer Legende, dass unsterbliche Geister dort spielten und auf weißen Hirschen ritten.
  • Lavaröhren: Die flüssige Lava des Vulkans schuf eines der weltweit ausgedehntesten Systeme von Lavaröhren (Höhlen), wie die Manjanggul-Höhle, die selbst wichtige Touristenattraktionen sind.

Mythologie: Die Großmutter-Schöpferin

Für die Menschen auf Jeju ist der Hallasan die physische Verkörperung ihres Schöpfungsmythos.

Seolmundae Halmang

Die Legende erzählt von Seolmundae Halmang, einer riesigen Großmutter-Göttin, die so groß war, dass sie den Hallasan als Kissen benutzte.

  • Der Bau der Insel: Es heißt, sie habe die Insel Jeju geschaffen, indem sie Erde vom Meeresboden schaufelte. Während sie arbeitete, fielen Erdklumpen von ihrem Rock und bildeten die Hunderte von Oreum (Hügeln), die die Landschaft prägen. Schließlich häufte sie die restliche Erde auf, um den emporragenden Gipfel des Hallasan zu schaffen.
  • Der zerbrochene Gipfel: Eine Version der Geschichte besagt, dass der Berg ursprünglich zu spitz war, also brach sie die Spitze ab und warf sie nach Südwesten, wodurch der Sanbangsan-Berg entstand und der flache Krater von Baengnokdam an seiner Stelle blieb.
  • Die tragische Suppe: Eine dunklere Legende erzählt von ihrem tragischen Ende. Während einer schweren Hungersnot beschloss sie, einen riesigen Topf Suppe zu kochen, um ihre 500 Söhne zu ernähren. Der Topf war so groß, dass sie darin ein Boot rudern konnte. Während sie die kochende Brühe umrührte, verlor sie das Gleichgewicht und fiel hinein. Sie ertrank sofort.
  • Die Entdeckung: Als ihre Söhne von der Jagd nach Hause kamen, ausgehungert, aßen sie gierig die köstliche, fettige Suppe. Der jüngste Sohn jedoch, der als Letzter kam, rührte den Boden des Topfes um, um mehr Fleisch zu finden, und entdeckte die Knochen seiner Mutter.
  • Die Verwandlung: Entsetzt und trauernd rannte der jüngste Sohn zum westlichen Rand der Insel, wo er sich in den einsamen Felsen Chagwido verwandelte. Die anderen 499 Söhne, die erkannten, was sie getan hatten, weinten blutige Tränen und versteinerten an den Berghängen. Dies sind die 500 Generäle (Yeongsil-Felsen), die als Wächter entlang des Yeongsil-Pfades stehen, in Nebel gehüllt, als würden sie ewig trauern.

Die 18.000 Götter

Jeju ist bekannt als die “Insel der 18.000 Götter”, und der Hallasan ist ihr Olymp. Man glaubt, dass der Berg von Berggeistern (Sansin) bewohnt wird. In der Vergangenheit wurden am Gipfel Rituale durchgeführt, um Regen oder Schutz vor Stürmen zu erbitten. Der Gwaneumsa-Tempel am Nordhang bleibt ein bedeutendes Zentrum für buddhistische und schamanistische Praktiken.

Wandern auf dem Hallasan: Eine Reise durch die Jahreszeiten

Den Gipfel des Hallasan zu erwandern, ist ein Übergangsritus für Koreaner und ein Muss für Besucher. Der Berg steht unter strengem Schutz; Wandern ist nur auf ausgewiesenen Wegen erlaubt, und die Eintrittszeiten werden strikt durchgesetzt, um sicherzustellen, dass Kletterer vor Einbruch der Dunkelheit unten sind.

Die Gipfelwege: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

Nur zwei Wege führen zum Baengnokdam-Gipfelkrater.

1. Seongpanak Trail (9,6 km einfache Strecke, 4,5 Stunden)

Dies ist die beliebteste Route aufgrund ihrer sanfteren Steigung, obwohl es die längste ist.

  • Segment 1: Der Eingang nach Sokbat (Leicht): Der Weg beginnt auf einem flachen Holzsteg, umgeben von einem dichten Eichen- und Kiefernwald. Es ist ein sanftes Aufwärmen.
  • Segment 2: Sokbat bis Saraoreum Shelter (Mittel): Der Pfad wird etwas steiler. Hier können Sie einen Abstecher zum Saraoreum machen, einem parasitären Kegel mit eigenem Kratersee, der eine atemberaubende Spiegelung des Himmels bietet.
  • Segment 3: Die Jindallaebat-Hütte (Schwer): Dies ist der Kontrollpunkt. Sie müssen diese Hütte bis 12:00 Uhr (Winter) oder 12:30 Uhr (Sommer) erreichen, sonst schicken die Ranger Sie zurück. Dies ist der letzte Ort, an dem Sie Wasser oder Instantnudeln (falls verfügbar) kaufen und eine richtige Toilette benutzen können.
  • Segment 4: Der letzte Anstoß (Experte): Die letzten 1,5 km sind die härtesten. Die Bäume verschwinden und werden durch alpine Sträucher ersetzt. Sie steigen eine unerbittliche Reihe von Holztreppen hinauf. Die Luft wird dünner, aber der Blick öffnet sich und enthüllt die gesamte Insel.

2. Gwaneumsa Trail (8,7 km einfache Strecke, 5 Stunden)

Entschlossene Wanderer argumentieren oft, dies sei das wahre Hallasan-Erlebnis.

  • Die Landschaft: Im Gegensatz zum “grünen Tunnel” von Seongpanak bietet Gwaneumsa spektakuläre Ausblicke auf das Tamna-Tal.
  • Die Brücke: Sie überqueren die Guringul-Schlucht auf einer Hängebrücke, die schwindelerregende Ausblicke auf das darunter liegende Vulkangestein bietet.
  • Samgakbong-Hütte: Benannt nach dem “Dreiecks-Gipfel”, der über ihr aufragt, ist diese Hütte der wichtigste Rastplatz. Von hier aus wird der Weg sehr steil.
  • Die Belohnung: Der letzte Aufstieg bietet den besten Blick auf die Nordwand des Berges und die Felsformationen, die wie eine Dornenkrone aussehen.

Die kürzeren Wege (Nicht-Gipfel)

Für diejenigen, die sich nicht auf einen ganzen Wandertag (8-10 Stunden) festlegen können, gibt es wunderschöne kürzere Optionen:

  • Yeongsil Trail: Oft als der schönste Weg angesehen, führt er Sie zur Witse Oreum Hütte (1.700 m), aber nicht zum Gipfel. Er führt vorbei an den berühmten “500 Generäle”-Felsen und Feldern wilder Azaleen.
  • Eorimok Trail: Ein weiterer Weg zum Witse Oreum, bekannt für seine winterlichen Schneelandschaften und Panoramablicke auf die Nordküste der Insel.

Saisonale Schönheit

  • Frühling: Die Hänge leuchten im Rosa und Violett der Königsazaleen (Rhododendron weyrichii). Der Kontrast zwischen dem dunklen Vulkangestein und den leuchtenden Blumen ist atemberaubend.
  • Winter: Der Hallasan ist einer der wenigen Orte in Korea, an dem zuverlässig viel Schnee liegt. Die “Schneeblumen” (Raureif auf Ästen) ziehen Fotografen aus ganz Asien an. Der Berg verwandelt sich in ein weißes Wunderland, das für jede Wanderung Steigeisen erfordert.

Biodiversität: Ein vertikales Ökosystem

Aufgrund seiner Höhe und Lage fungiert der Hallasan als vertikaler botanischer Garten. Wenn Sie aufsteigen, durchqueren Sie verschiedene Klimazonen und reisen praktisch in wenigen Stunden von den Subtropen in die Subarktis.

Die Zonen

  1. Subtropische Zone (Meereshöhe bis 600 m): Immergrüne Laubwälder, obwohl vieles in Ackerland oder Mandarinenplantagen umgewandelt wurde.
  2. Gemäßigte Zone (600 m bis 1.400 m): Laubwälder mit Eichen, Ahorn und Hainbuchen. Hier weideten traditionell die berühmten Jeju-Pferde.
  3. Kalte Zone (1.400 m bis Gipfel): Dies ist das einzigartigste Gebiet. Es ist die Heimat der Korea-Tanne (Abies koreana), eines seltenen Nadelbaums, der nur auf hohen Bergen in Korea wächst. Leider schrumpfen diese Wälder aufgrund des Klimawandels, was Wissenschaftler und Naturschützer gleichermaßen alarmiert. Der Gipfelbereich ist eine alpine Wiese, Heimat diverser Wildblumen und seltener Arten wie dem Jeju-Wiesel (Mustela sibirica quelpartis), das sich oft flink zwischen den Felsen bewegt und für Besucher nur schwer zu entdecken ist.

Das Mysterium des Weißen Hirsches

Der Kratersee, Baengnokdam, ist das Juwel des Berges. Besucher sollten jedoch ihre Erwartungen dämpfen: Der “See” ist oft trocken. Er hängt vollständig vom Regen ab.

  • Der trockene Krater: In Trockenzeiten sehen Besucher vielleicht einen schlammigen Boden oder nur einen kleinen Tümpel.
  • Der volle See: Nach starken Sommerregen oder Taifunen füllt sich der Krater mit Wasser und spiegelt den Himmel und den felsigen Rand wider. Dies ist der glückliche Anblick, für den Wanderer beten.
  • Das Reh: Während die legendären weißen Hirsche mythisch sind, sind echte Sibirische Rehe auf dem Berg häufig. Man sieht sie oft in der Nähe der Wege grasen, relativ furchtlos gegenüber Menschen aufgrund jahrzehntelangen Schutzes.

Fazit

Der Hallasan ist der sanfte Riese Koreas. Er ist kein wütender, rauchender Kegel wie die Vulkane des Feuerrings; er ist eine nährende Mutter, ein Wasserspender und ein Erdschöpfer. Von den zerklüfteten Felsformationen der 500 Generäle bis zum stillen, windgepeitschten Kratersee ist eine Reise auf den Hallasan eine Reise in das Herz der Identität Jejus – ein Ort, an dem Geologie und Mythologie zu Stein verschmolzen sind.

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