Askja: Die Mondlandschaft Islands

Versteckt im trostlosen Dyngjufjöll-Gebirge liegt Askja, eine massive Caldera, die wie ein anderer Planet aussieht. Berühmt für ihren warmen Badekater Viti und ihre Rolle im Astronautentraining.

Standort Zentrales Hochland, Island
Höhe 1.516 m
Typ Stratovulkan / Caldera
Letzter Ausbruch 1961

Tief im Herzen des isländischen Hochlands, wo die Straßen zu Schotter werden und die Vegetation verschwindet, liegt ein Ort, der sich nicht wie die Erde anfühlt. Askja ist nicht nur ein Vulkan; es ist ein verschachteltes Set von Calderen im Dyngjufjöll-Gebirge, ein Ort von karger, trostloser Schönheit, der Entdecker, Wissenschaftler und Astronauten seit über einem Jahrhundert fasziniert.

Diese abgelegene Wildnis wird durch zwei Dinge definiert: den riesigen, saphirblauen See Öskjuvatn (Islands tiefster See) und den kleinen, milchig-blauen Explosionskrater Viti („Hölle“), wo mutige Touristen in geothermischen Gewässern am Rande eines aktiven Vulkans schwimmen.

Geologischer Kontext: Die Nördliche Vulkanzone

Askja ist der Zentralvulkan eines riesigen Vulkansystems in der Nördlichen Vulkanzone.

  • Der Caldera-Komplex: „Askja“ bezieht sich eigentlich auf die Caldera selbst (das Wort bedeutet „Schachtel“ oder „Caldera“ auf Isländisch). Der Komplex entstand durch mehrfache Einstürze des Magmakammerdaches über Jahrtausende.
  • Der Kollaps von 1875: Die Hauptcaldera, die wir heute sehen, wurde weitgehend durch ein katastrophales Ereignis im Jahr 1875 geformt. Der Boden stürzte ein, und die Senke füllte sich mit Grundwasser, wodurch der See Öskjuvatn entstand.

Eruptionsgeschichte: Das Desaster von 1875

Für den größten Teil der isländischen Geschichte war Askja unbekannt, versteckt im unzugänglichen Landesinneren. Das änderte sich 1875.

Der große Aschefall

Im März 1875 sprengte eine massive plinianische Eruption Tephra (Asche und Bimsstein) hoch in die Atmosphäre.

  • Auswirkung auf Island: Der Wind blies die giftige Asche nach Osten und begrub die Bauernhöfe in den Ostfjorden. Die Verwüstung war so schwerwiegend, dass sie eine Welle der Massenauswanderung auslöste. Viele Isländer verließen ihre Heimat für immer und zogen nach „Neu-Island“ in Kanada (Manitoba).
  • Reichweite: Die Aschewolke reiste bis nach Norwegen und Schweden und verwirrte Skandinavier, die mit grauem Staub auf ihren Fenstern aufwachten.

Der Ausbruch von 1961

Der letzte Ausbruch ereignete sich 1961. Es war ein Spaltenausbruch am Nordrand der Caldera. Er war viel kleiner und „touristenfreundlicher“ (effusive Lavaströme) als das explosive Ereignis von 1875. Das Lavafeld dieses Ausbruchs, Vikrahraun, ist immer noch tiefschwarz und frei von Moos.

Die NASA-Verbindung: Training für den Mond

In den 1960er Jahren bereitete sich die NASA auf die Apollo-Missionen vor. Sie brauchten einen Ort auf der Erde, der der Geologie des Mondes ähnelte – karg, vulkanisch und geologisch jung. Sie wählten Askja.

  • Die Astronauten: Neil Armstrong und Buzz Aldrin liefen über diese Lavafelder, bevor sie auf dem Mond liefen. Sie studierten die Geologie, um zu lernen, wie man verschiedene Gesteinsarten identifiziert.
  • Das Erbe: Heute steht im Hochland ein Denkmal, das an diese Verbindung erinnert. Wenn man sich die graue, felsige Weite von Askja ansieht, ist leicht zu erkennen, warum die NASA sie wählte. Es ist eine fremde Welt.

Gefahren: Der schläfrige Drache

Askja ist seit 1961 ruhig, aber nicht tot.

  • Unruhe (2023-2024): In den letzten Jahren hat sich das Land um Askja schnell gehoben (aufgebläht) – über 70 cm in zwei Jahren. Dies deutet darauf hin, dass sich Magma in geringer Tiefe (2–3 km) ansammelt.
  • Der See: Im Winter 2023 schmolz das Eis auf dem Öskjuvatn unerwartet, wahrscheinlich aufgrund erhöhter geothermischer Hitze vom Boden.
  • Status: Der Vulkan steht derzeit auf Alarmstufe „Gelb“. Ein neuer Ausbruch könnte mit wenig Vorwarnung geschehen, potenziell explosiv aufgrund der Interaktion mit dem Seewasser.

Tourismus: Reise zum Mittelpunkt des Nirgendwo

Der Besuch von Askja ist ein ernstes Unterfangen. Er liegt nördlich des Vatnajökull-Gletschers und ist nur während der Sommermonate (Ende Juni bis September) zugänglich.

Die Straße (F88 / F905 / F910)

Es gibt keine asphaltierte Straße. Sie müssen „F-Straßen“ (Gebirgspisten) nehmen.

  • Flussüberquerungen: Die Route beinhaltet das Durchqueren von unüberbrückten Gletscherflüssen, einschließlich der berüchtigten Lindaá. Kleine SUVs ertrinken hier oft. Sie benötigen einen echten 4x4 mit hoher Bodenfreiheit (wie einen Land Rover Defender oder einen modifizierten Toyota Land Cruiser).
  • Die Wüste: Sie fahren stundenlang durch das Ódáðahraun („Lava der Übeltaten“), eine riesige schwarze Wüste, in der sich früher Gesetzlose versteckten.

Die Wanderung

Vom Parkplatz bei Vikraborgir ist es eine 2,5 km lange Wanderung über die schwarzen Bimssteinfelder zum See.

  • Viti: Die Belohnung ist Viti. Es ist ein steilwandiger Explosionskrater, gefüllt mit undurchsichtigem, blaugrünem Wasser. Das Wasser hat etwa 25 °C. Die rutschigen Schlammufer hinunterzuwandern, um zu schwimmen, ist ein Erlebnis für die Wunschliste, aber seien Sie vorsichtig – der Pfad ist steil und der Schwefelgeruch stark.
  • Öskjuvatn: Hinter Viti liegt der riesige Öskjuvatn. Er ist 220 Meter tief. Er ist kalt, bedrohlich und wunderschön.

Das Mysterium von 1907: Spurlos verschwunden

Askja hat eine dunkle Geschichte. Im Jahr 1907 besuchten zwei deutsche Wissenschaftler, Walter von Knebel und Max Rudloff, den See, um ihn zu studieren. Sie fuhren mit einem kleinen Boot auf das Wasser hinaus und wurden nie wieder gesehen.

  • Die Suche: Von Knebels Verlobte, Ina von Grumbkow, leitete im folgenden Jahr eine Expedition, um sie zu finden, aber es wurde nie eine Spur gefunden.
  • Die Theorien: Kenterte das Boot bei plötzlichem schlechtem Wetter? Wurden sie durch eine plötzliche Gasfreisetzung vom Seeboden getötet? Oder hat sie ein Felssturz zermalmt? Das Rätsel bleibt ungelöst und verleiht dem stillen blauen See eine geisterhafte Aura.

Die Holuhraun-Verbindung von 2014

Askja handelt nicht allein. Im Jahr 2014 ereignete sich ein massiver Ausbruch am Holuhraun, der sich nördlich des Vatnajökull-Gletschers befindet.

  • Die Verbindung: Wissenschaftler entdeckten, dass das Magma, das den Holuhraun-Ausbruch speiste, tatsächlich vom Vulkan Bárðarbunga stammte, aber seitlich durch die Kruste wanderte und gefährlich nah an der Magmakammer von Askja vorbeizog.
  • Spannungsübertragung: Dieses Ereignis erschütterte die Fundamente von Askja, und Wissenschaftler glauben, dass die Spannungsänderungen von 2014 einer der Gründe sein könnten, warum sich Askja heute aufbläht.

Fotografie-Guide: Die fremde Welt einfangen

Askja ist der Traum eines Fotografen, fordert aber Ihre Ausrüstung heraus.

  • Die Viti-Aufnahme: Die klassische Aufnahme ist der Blick vom Rand hinunter in den Viti-Krater, mit dem riesigen blauen Öskjuvatn dahinter. Ein Weitwinkelobjektiv (16–24 mm) ist unerlässlich, um beide Seen ins Bild zu bekommen.
  • Wetter: Seien Sie auf dramatisches Wetter vorbereitet. Regenstürme, die über die Caldera fegen, können unglaubliche Regenbögen erzeugen, aber auch Ihre Ausrüstung bedrohen. Bringen Sie einen Regenschutz mit.
  • Die Schwarze Wüste: Halten Sie auf der Hinfahrt an, um das Ódáðahraun zu fotografieren. Der endlose schwarze Sand gegen den grauen Himmel schafft eine minimalistische Ästhetik.

Praktische Tipps für die Reise

  1. Straßenbedingungen prüfen: Überprüfen Sie immer road.is, bevor Sie losfahren. Die Ranger schließen die Straßen, wenn die Flüsse zu hoch sind.
  2. Treibstoff: Es gibt keine Tankstellen im Hochland. Tanken Sie in Mývatn oder Egilsstaðir voll und nehmen Sie einen Ersatzkanister mit, wenn Sie sich über die Reichweite Ihres Fahrzeugs unsicher sind.
  3. Kleidung: Selbst im Juli kann es am Askja schneien. Kleiden Sie sich in Schichten: Wollunterwäsche, Fleece und eine wasserdichte Hülle. Tragen Sie keine Jeans.

Fazit: Das wilde Herz

Askja ist der wildeste Ort in Island. Er ist weit weg von der Ringstraße, weit weg von den Bustouren und weit weg von Sicherheit. Es ist ein Ort, der Respekt und Vorbereitung verlangt. Aber wenn man am Rand der Caldera steht und in das milchig-blaue Auge von Viti hinunterblickt, spürt man die rohe, gleichgültige Kraft der Natur wie nirgendwo sonst.

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